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 Neue Helden braucht das Land- wienerzeitung.at- 29.April 2011 
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Nur ein Schnipselchen über Chad, aber ich wollte nicht, dass euch das durch die Lappen geht. Laughing

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Die Comic-Industrie kämpft mit Verfilmungen und digitalen Vertriebswegen gegen die selbstverschuldete Krise

Neue Helden braucht das Land

Von Matthias Greuling


Comic-Verfilmungen wie "Thor" pflegen den Mythos vom Heldentum.
Absatz der Printtitel stark rückläufig.
Digitale Comics sollen die Branche retten.

Wien. Er ist ein gefallener Held: Thor, der Krieger vom Planeten Asgard, ein nordischer Donnergott und Mitglied der Heldentruppe "Avengers", der als Strafe für seine Arroganz und das Auslösen eines Krieges von seinem Vater Odin auf die Erde verbannt wurde. Hier soll er lernen, mit seiner Arroganz umzugehen. "Thor", die soeben angelaufene 3D-Realverfilmung dieses Comics, das erstmals 1962 erschien, eröffnet einen langen Reigen an Comic-Stoffen, die in diesem Jahr auf die Leinwand kommen.

Porträt: Stan Lee
Im Sommer folgen "X-Men: First Class", "Green Lantern", "Transformers: Dark of the Moon", "Captain America" und "Cowboys & Aliens". Für das Jahr 2012 sind ein neuer Superman-Film sowie "The Dark Knight Rises", der dritte "Batman"-Film von Christopher Nolan, angekündigt. Das Genre zeigt sich exaltiert wie schon lange nicht.

Superhelden sind gefragter denn je, gerade in (wirtschaftlichen) Krisenzeiten. Sie vereinen in sich alle Eigenschaften, die Normalsterbliche gerne hätten. Sie sind Personen, die über sich selbst hinauswachsen können, die für das Gute kämpfen, in einer schlechten Welt. Sie sind Hauptbestandteil der Comicwelt, dieser uramerikanischen Kunstform, und sie wurden (und werden) auch immer wieder zu politisch-ideologischen Zwecken instrumentalisiert. Als 2002 der erste "Spiderman"-Film in die Kinos kam, schmetterte Sänger Chad Kroeger die Rockballade "Hero" auf dem Soundtrack. "And they say that a hero can save us. I’m not gonna stand here and wait", das klang wie ein Hilferuf nach starken Männern in den vom 11. September 2001 traumatisierten Vereinigten Staaten.

Superhelden sind männlich, Männer sind Superhelden

"United We Stand" ist nicht nur das Motto vieler Superhelden-Teams, sondern letztlich auch das des gesamten "Krieges gegen den Terror". Die entsprechende Erziehung der Jugend beginnt mit den bunten Bildern. Und man lernt dabei, dass das Schicksal einer Nation im Superhelden-Genre meist in der Hand eines einzigen Mannes liegt, der am Ende gegen das Böse obsiegt. Superhelden-Frauen haben sich hingegen nie so recht durchgesetzt, was auch einiges über den Zustand einer Gesellschaft aussagt. Stark ist, was Mann ist.

Diese starken Männer sind offenbar die derzeit profitabelste Einnahmequelle für Hollywoods ratlos gewordene Geschichtenerzähler. Es ist einfach, lange und gut eingeführte Charaktere in einer Materialschlacht über die Leinwand zu hetzen, denn da braucht es keine gefinkelte Story. Wozu Neues erfinden, wenn doch der Helden-Fundus der US-ComicSzene noch so viele unerzählte Geschichten birgt? Oder: Wenn man diese Geschichten alle 20 Jahre neu erzählen kann, weil ein neues Publikum nachwächst, so wie es im Fall der Batman-Filme passiert ist.

Hinter den starken Helden stehen zwei große Comic-Verlage. DC Comics (Superman, Batman) und Marvel (Spiderman, Thor, Hulk, Iron Man, The Avengers). Beide entstanden in der goldenen Ära der Comics, in den 30er Jahren, als die bunten Heftchen für die Kids die einzige Zerstreuung boten, weil es das Fernsehen noch nicht gab. Das Superhelden-Genre bereitete die Leser außerdem auf den bevorstehenden Zweiten Weltkrieg vor: Es ging um Ehre, Treue, Kampfesgeist und darum, sein Leben dem Kampf für das Gute (sprich: für die USA) zu widmen. Unterschwellige Botschaften für eine von der Großen Depression geschlauchte Leserschaft, die nach Identifikationsfiguren gierte. Und später auch ganz offensichtliche Kriegspropaganda: "Daredevil Battles Hitler" lautete eine Story, und auf Superman- und Batman-Heften sah man laufend, wie die US-Helden das Hakenkreuz mit Füßen traten. Während des Zweiten Weltkrieges gab es insgesamt 160 verschiedene Superheldentitel von mehr als zwei Dutzend Verlagen mit einer Gesamtauflage von 300 Millionen Heften und einem jährlichen Umsatz von 30 Millionen Dollar.

Die Comicindustrie suchte nach dem Aufkommen des Fernsehens immer die Nähe anderer Medien, um gegen drohende Auflagenverluste anzukämpfen. Die "Batman"-TV-Serie aus den 60er Jahren war ein (geglückter) Rettungsversuch, zu einem Zeitpunkt, als Helden aus der Mode kamen; man machte sie kurzerhand zu Witzfiguren, der ursprünglichen Bedeutung des Wortes Comic angleichend. Erst in den 80er Jahren, als Zeichner wie Frank Miller das Genre in Düsternis hüllten, kehrten die Superhelden zu ihrer heute verbreiteten Form zurück. Plötzlich waren es Menschen, die auch Schattenseiten hatten, mit inneren Zwängen und Problemen kämpften. Psychopathen des Guten, sozusagen.

Als die Helden in ihre tiefste Krise schlitterten

Die Comicindustrie schlitterte ab 2000 dennoch tief in die roten Zahlen. Nie zuvor wurden so wenige Hefte abgesetzt wie in der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts. Marvel und DC hatten den Zeitgeist übersehen: Videospiele, DVDs und Blu-rays verhießen bessere Unterhaltung als bunt bedrucktes Papier. Und das, obwohl es ein vorzügliches haptisches Erlebnis ist, die fantastisch gezeichneten und sehr filmisch erzählten Comicbooks in Händen zu halten. Allein der Geruch!

Marvel und DC verkauften selbst während der Wirtschaftskrise ihre 22-seitigen Comic-Storys für vier US-Dollar. Die Auflagen brachen ein, die letzte Rettung schien das Kino zu bieten. Da haben die beiden Verlage Glück, dass hinter ihnen große Filmkonzerne stehen. DC gehört zum Time-Warner-Konglomerat, Marvel ist Teil der Walt Disney Company. Auf diese Weise können ganze "Franchises" geschaffen werden, die über mehrere Jahre und Filme konstant Geld abwerfen. Die Filme fungieren dabei als "Motoren" für den Absatz der Comichefte. Das Vorzeigebeispiel: Tim Burtons "Batman" (1989), der den Heften aus dem Hause DC einen bis dahin nie dagewesenen Höhenflug bescherte.

Das Comicheft der Zukunft erscheint am Tablet-PC

Im digitalen Zeitalter ergeben sich nun neue Absatzmärkte für die gezeichneten Geschichten: Als digitale Comics sind sie in eigens eingerichteten iPad-Stores auf dem Tablet-PC und auf Android-Plattformen kauf- und lesbar. Zusätzlich gibt es Bonus-Material in Form verschiedener Cover, Skizzen, Interviews und Audiokommentaren. Beide Verlage ändern derzeit die Strukturen ihrer digitalen Angebote: Digi-Comics sollen bald nur mehr 10 US-Cent kosten. "Das war der Preis der ersten Ausgabe von Captain America im Jahr 1941", kommentierte es ein Marvel-Mitarbeiter. "Wenn das damals genug war, dann ist es das heute auch." Ein Schleuderpreis, der die enorme Krise der Verlage verdeutlicht. Weshalb Marvel und DC, die eigentlich in scharfer Konkurrenz zueinander stehen, am digitalen Markt plötzlich kooperieren. Man entwickelt einheitliche Preismodelle, und auch das Outfit der Apps stammt offenbar vom selben Programmierer. Schließlich steht nichts weniger als die gesamte Comicindustrie auf dem Spiel.

Daher müssen auch neue Helden her, diesmal sogar solche, die es im echten Leben gibt. "The Gouvernator", ein Comic, das Ende 2011 erscheinen soll, erzählt die Geschichte von Arnold Schwarzenegger, der kurzerhand zum Superhelden gemacht wird und das Land von Kampfrobotern und Aliens befreit. Stan Lee, 88-jähriges Urgestein des Marvel-Verlages, das unter anderem Thor, Spiderman, Iron Man und X-Men miterfand, kümmert sich persönlich um die Umsetzung des Arnie-Comics, das später auch zu einer Trickfilmserie im Fernsehen werden soll. Arnie als Action-Politiker? Kann natürlich Kult werden. Kann das Heldentum aber auch in eine neuerliche Krise führen. In eine Krise der Lächerlichkeit.


Printausgabe vom Freitag, 29. April 2011
Online seit: Donnerstag, 28. April 2011 21:23:04

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Nelke
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Hi,

cooooooooooooooooooooooll, dankeschön! Very Happy
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