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Köln 27.09.16

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Chad_Cat
CHAD_FANATIC Administrator
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Köln 27.09.16

Beitrag: # 276111Beitrag Chad_Cat
Di 04. Okt 2016 01:27

https://www.intro.de/popmusik/nickelbac ... t-dem-hass


»Ich gehe morgen zu Nickelback«, ein Satz, den in unseren Kreisen nur Mutige oder Zyniker laut auszusprechen wagen. Kaum eine andere Band steht derart zweifels- und sympathiefrei für das Nichtvorhandensein eines Musikgeschmacks. Mehr noch, wurde die Band und besonders ihr Frontmann Chad Kroeger über die Jahre selbst zum Meme. Es existieren Crowdfunding-Kampagnen, um Auftritte der Band zu verhindern und die Liste der prominenten Seitenhiebe ist lang. Bereits 2012 stellte der damalige Tourmanager daher fest: »It’s become trendy to hate Nickelback and no one even knows why«. Jener Frage soll an diesem Dienstagabend nachgegangen werden.

Wenig variantenreiche Musik mit Mitmach-Garantie allein stört doch in anderen Fällen auch keinen. Das hat nicht zuletzt der aktuelle Festivalsommer wieder mal eindrucksvoll bewiesen. Was also machen Nickelback so besonders falsch? Zum einen sind sie schlichtweg sehr erfolgreich, was immer auch Neider auf den Plan ruft: 50 Millionen verkaufte Alben weltweit stehen auf der Visitenkarte, vor allem in den USA sind die Kanadier Megastars und auch in Köln schaffen sie es an einem Wochentag die Lanxess Arena mit einigen Tausend Menschen gut zu füllen. Die Menge möchte bedient werden und so führt dann auch dieser Umstand dazu, dass Showtime geboten ist und Mitklatschen zum obligatorischen Verhaltenskodex gehört. So weit, so zu verschmerzen. Die notwendigen Begleitumstände eines Massenspektakels, vom Fußballstadion bis zur Hauptbühne.

Das wirkliche Problem ist unbestreitbar Chad Kroeger Er macht es einem viel zu einfach, zum Feindbild zu werden. Es mangelt dem Frontmann an Charisma. Was die Gesten und Aussagen anderer Rampensäue souverän und mitreißend wirken lässt, erscheint hier hölzern und aufgesetzt. Zu lautes Grölen, zu viel »Yeah! Let’s Go!«. Und widersprüchliche Signale: Mit dem wuchtigen Opener ruft Kroeger noch die Revolution aus, nur um wenig später ebenso euphorisch das zotige »You Look So Much Cuter With Something In Your Mouth« anzukündigen oder fluchend mit seinen Band-Boys zu scherzen. Zwischendurch scheint er von der Illusion gefangen, vor einer Horde College Bros auf einer Studentenfete aufzutreten. Nur, dass die doch heutzutage eigentlich eher Skrillex statt Stadionrock hören und das Publikum in Köln sich eher aus dem mittelständischen Bürgertum jenseits der 30 rekrutiert. Tatsächlich scheint nur der warme Spätsommertag den Ausblick auf ein Meer aus Multifunktionsjacken zu verhindern. Casual bis sportlich und im besten Sinne unmodern ist der Stil der angenehm durchschnittlichen Zuschauerschar. Sympathie-Level: Kuchenstand beim Grundschul-Sommerfest.

Ganz anders dagegen Kroeger. Der erzählt einstudiert von seinem schlimmen Kater. Erst um sieben Uhr sei er ins Bett gegangen, der alte Rockstar. Klar, dass eine öffentlich zur Schau gestellte Probe jener aufregenden Trunkenheit wenig später folgt. Ein Roadie bringt der Band rote Plastikbecher (Stichwort: College Bro), die daraufhin unter lautem Trubel ge-ext werden. So, wie es die echten Rockmänner im Fernsehen machen. Nur eben ohne jeden Charme. Die Rockstar-Attitüde als schlecht sitzender Anzug und doch mit einer klaren Funktion: Kroeger spielt die Wildheit und das Ungestüme, vor dem seine Fans im täglichen Leben Angst hätten. Einmal so frei und ungezügelt sein, bis morgens um sieben Uhr trinken. Wer wünscht sich das nicht? Noch besser, wenn man danach mit dem eigenen Kleinwagen die Heimreise antreten kann. Alles in allem vielleicht ziemlich vorhersehbar und wenig aufregend, aber doch sehr nachvollziebare Bedürfnisse und Grundlage der gesamten Pop/Rock-Inudstrie.

Musikalisch liefert die Band sehr solide ein Potpourri der Mitsingbarkeiten. Es mischen sich Trostspender mit hochgekrempelten Ärmeln, positive Durchhalteparolen und eine Menge »genießt euer Leben«. Ein bisschen so, wie 90 Minuten »Summer Of 69«. Stadionrock für Radiohörer, nicht mehr und nicht weniger. So bleibt am Ende Enttäuschung zurück. Chad Kroegers Entgleisungen beiseite, wo war denn bitteschön der Rockmusik-Antichrist an diesem Abend? Wohin mit all dem Hass, wenn die meist gehasste Band und ihre Gefolgschaft ihn nicht verdienen? Das hier ist nicht der Feind. Es sind eure Eltern. Diese Menschen kümmern sich um eure Steuerbescheide oder erziehen eure Kinder. Und dabei hören sie Nickelback. Also, regt euch ab!



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